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Am 12. Februar wird mit den Polen Waffenstillstand geschlossen, an den sie sich aber nicht halten. Die Schießerei geht weiter. Um etwaigen Überfällen besser entgegentreten zu können, und vor allem [unleserlich] zur Stelle zu sein, baut das Bataillon einen Panzerzug. Die Führung übernimmt Oberleutnant Collas, ich kriege die Minenwerfer. Es melden sich viele Freiwillige, von denen wir die besten, meist Flüchtlinge, die eine große Wut auf die Polen haben, aussuchen, und so schaffen wir uns eine vorzügliche Trupppe mit frischem Draufgängergeist. In der Maschinenfabrik von Linz entwickelt sich bald ein reges Leben. Ein Wagen nach dem andern wird ausgebaut, mit M.G. und Minenwerfern versehen, sodaß wir bald mit einem kleinen Zuge fahrbereit sind. M.G. Offizier ist Leutnant Zeller. Für den Artilleriezug hole ich mir meinen alten Glogauer Freund Herbert Kurzke heran, der sich bald seinen Zug fertigstellt. Den ganzen Sommer bauen wir und verbessern, wo wir eben können. Viele Übungsfahrten und Scharfschießen schulen uns. Einige Mal kriegen uns auch die Polen zu spüren. Interessant sind die Nachtübungen mit Scheinwerfern - wir haben ja alles, sogar eine Telefunkenstation.

Erwähnen möchte ich noch, daß wir uns beim Bau des Zuges, der erst P.7. III und dann P.Z. 40/52 heißt, keinerlei Vorlage bedient haben. Es sind nur eigene Erfindungen verwertet worden. Das sonstige Leben in R. ist äußerst nett und gemütlich. Zuerst haben wir Pion. Offz. die ganze 2. Etage im Hotel Adler am Markt. Draußen ists kalt und alles verschneit. Und wir sitzen in der warmen Stube, trinken viel und spielen auch - bis ich denn mal die Nase vollkriege.

Am 1. April ziehe ich mit Leutnant Kurzke auf die Wilhelmstraße, wir können von unserem Fenster aus alles beobachten, was auf der Straße los ist. Bei einem P.Z. Vergnügen Ende März lerne ich eine Familie kennen, in der ich mit Kurzke sehr viel verkehre, sie ersetzt mir in Rawitsch die Heimat, und ich bin ihr zu größtem Dank verpflichtet.

Feine Frühjahr- und Sommertage, die dann im Herbst, nach meinem Scheiden vom Panzerzug am 15. Juli noch fortgesetzt werden - bis der Winter kommt.

Nun liegt das alles hinter mir - der letzte Winter steckt mir noch etwas in den Gliedern. Aber nur nicht unterkriegen lassen - soll ich deshalb heil aus dem großen Ringen wieder nachhause gekommen sein? Ich glaube nicht.

Vielleicht haben wir bald wieder ein schönes freies Deutschland, in dem sich jeder wohlfühlt und von dem jeder mit Stolz sagen kann, es ist mein Vaterland.





Feldzugs-Erlebnisse